Unsere Freunde, die Maschinen

Arbeitswelten auf dem Weg von der digitalen zur kognitiven Ära

Unsere Freunde, die Maschinen

Arbeitswelten auf dem Weg von der digitalen zur kognitiven Ära

Wesen und Bedeutung der Arbeit, wie wir sie kennen, lösen sich im Zuge der Digitalisierung auf. Damit stellen sich auch in den Führungsetagen nicht originär digitaler Branchen neue, drängende Fragen. Die SingularityU Summit bringt nun erstmals deutsche Investoren und Entscheider zusammen, um an den Ausbau der wichtigsten Arbeitsressource der Zukunft zu appellieren: technologische Kompetenz.

Egal, ob man die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt mit Skepsis oder Enthusiasmus beobachtet, in einem sind sich Vordenker wie Kritiker einig: Wir alle stehen im Moment an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution. Wo früher Science Fiction war, ist heute nur noch Science. In der industriellen Arbeitswelt dominiert in diesem Kontext die Frage, ob durch höhere Automatisierungsgrade zwangsläufig massenweise Arbeitsplätze verlorengehen, und wie Gesellschaft und Politik reagieren können, um den Wandel möglichst sozial zu gestalten.

Für Weiterbildung, Coaching und Management ist derweil entscheidend, welche strategischen Vorbereitungen jetzt getroffen werden müssen, um mit den technologischen Veränderungen der Zukunft Schritt halten zu können – und diese sogar bestenfalls selbst mitzugestalten. Wer dafür eine Reise nach Silicon Valley, ins Mekka der Technologie, auf seiner To Do-Liste hatte, braucht dafür nicht mehr nach Kalifornien zu reisen. In Berlin treffen am 20. und 21. April Artificial-Intelligence-Forscher, Investoren, Neurowissenschaftler, Robotik-Experten und Tech-Unternehmer zur ersten deutschen Ausgabe der Singularity University Summit zusammen.

“Entweder ihr disrupted Euch selbst oder ihr werdet disrupted.”

Die weltweit führende Konferenz rund um innovative Technologien versteht sich als Vernetzungs-Plattform für technologische Vordenker und Führungskräfte. Dabei appelliert Ray Kurzweil, der international bekannte Zukunftsforscher und Mitgründer der Konferenz, bewusst an deren gesellschaftliche Verantwortung. Die in Kalifornien beheimatete Singularity University, ein Think Tank, aus der die Konferenzreihe hervorging, hat sich der ehrgeizigen Mission verschrieben, Führungskräfte weltweit zu befähigen, innovative Technologien zu nutzen, um die zukünftigen Herausforderungen der Menschheit zu meistern.

Natürlich spielt jedoch für die Zielgruppe zunächst die Frage eine herausgehobene Rolle, wie sich der exponentielle Technologiefortschritt in greifbare Wachstumschancen ihrer jeweiligen Branchen verwandeln lässt. Die wichtigste Lektion, die hierbei gerade im technologieskeptischen Deutschland von den Machern der Konferenz an Manager vermittelt werden soll, ist, eine positive Haltung zu Veränderung anzunehmen. Dabei ist das Prinzip der Disruption, also der Unterbrechung bzw. Störung eigener Prozesse, auf das etwa auch bei Google gesetzt wird, essentiell. Das disrupten und damit verbundene Hinterfragen interner Abläufe soll zu einem Prozess stetiger Selbsterneuerung und -verbesserung beitragen und damit Vorteile in der Entwicklung gegenüber Marktkonkurrenten bringen. “Entweder ihr disrupted euch selbst oder ihr werdet disrupted,” lautet die Botschaft von Neil Jacobstein, einem der Dozenten der Singularity University, an die Teilnehmer seiner Seminare.

Technologischen Fortschritt sinnvoll nutzen bedeutet nicht, 3D-Drucker anzuschaffen

Selbst wenn im Jahr 2045 nicht, wie von Ray Kurzweil prophezeit, die Singularität erreicht ist, also der Zeitpunkt, an dem Maschinen intelligenter sein werden als Menschen, werden Arbeitsabläufe sämtlicher Branchen vollkommen anders aussehen als heute. Dafür müssen nicht einmal die stets bemühten Bilder der Pflege-Roboter, Häuser aus dem 3D-Drucker und selbstfahrenden Autos herangezogen werden.

Vielmehr geht es um die schlichter daherkommende Optimierung von Prozessen in den Unternehmen durch Algorithmen, die intelligente Entscheidungen treffen und Anwendungen, die diese ausführen. Anders als über schwer zu überwachende Gruppen von Mitarbeitern, so der Gedanke, können Prozesse damit effizient, fehlerfrei und anpassungsfähig ablaufen. Neil Jacobstein macht Managern in den kalifornischen Zukunftsseminaren die neue, durch den Einsatz intelligenter Systeme optimierte Arbeitswelt wie folgt schmackhaft: “Künstliche Intelligenz ist rund um die Uhr verfügbar, wird nie krank, braucht keinen Urlaub und jammert nicht.“ Und er träumt von ausgelagerten Arbeiten, die Zeit für innovative Ideen rauben: “Ich glaube, dass 70 bis 80 Prozent meiner Entscheidungen auch von einem Algorithmus getroffen werden könnten. Wir könnten Plattformen so programmieren, dass sie genauso gut entscheiden wie ich, wenn nicht sogar besser.”

Richtig ist; auch in der Trainer-, Speaker- und Coaching-Branche werden jeden Tag unglaubliche Mengen an Daten produziert, von denen die allermeisten unstrukturiert und damit für den Unternehmer nicht nutzbar bleiben. Neue Werkzeuge können diese Daten erfassen, aus ihnen lernen, Schlüsse ziehen und damit für die erfolgreiche Gestaltung des Business eingesetzt werden. Dies kann etwa für gezieltere Kundenbindung, Entwicklung von Fachwissen, optimierte Dienstleistungen oder Prozesse interessant sein. Programme, so die Vision, werden in Zukunft fähig sein, direkt mit Ihnen über Verbesserungen zu diskutieren.

Wie arbeiten wir, wenn Maschinen intelligenter sind als Menschen?

„Willkommen im kognitiven Zeitalter!“ So wird man derzeit auf dem Webauftritt von IBM begrüßt. Eins wird klar; es wird nicht reichen, informiert zu bleiben etwa über den Einzug des Internet der Dinge, der Ära also, in der alle digital funktionierenden Systeme miteinander vernetzt sind. Unternehmer müssen sich überlegen, wie sie diese im Sinne ihres Unternehmenserfolgs auch aktiv und gewinnbringend nutzen können.

Dafür stehen von einschlägigen Tech-Konzernen folgerichtig immer mehr Angebote für kognitives Business bereit. Eine Chiffre, die sich aus dem cognitive computing ableitet und für selbst denkende und selbst lernende Dienstleistungen, intelligente Werkzeuge und Assistenzsysteme steht, die über den Charakter des Digitalen also weit hinausgehen.
Von der maßgeschneiderten Entwicklung einer kognitiven Strategie für Ihr Unternehmen bis hin zur Implementierung einer kognitiven Infrastruktur und geeigneter Tools wird bereits alles angeboten. Die größte Herausforderung liegt nun aber nicht darin, diese Angebote als erster zu nutzen. Denn, wie bei neuen Technologien üblich, sind sie erst einmal da und erst dann überlegt man sich häufig, wie sie wirklich sinnvoll eingesetzt werden können. Der entscheidende Vorteil wird zukünftig nicht darin liegen, bei jeder Neuentwicklung um jeden Preis mitzuziehen, sondern neue Technologien intelligent einzusetzen. Das heißt, die Kompetenz zu entwickeln, Neuerungen einzuordnen, zu bewerten und gegebenenfalls für die eigenen Zwecke sinnvoll einzusetzen.

Neue Technologien werden auch in Zukunft nicht von allein den Wert eines Unternehmens mehren oder durch ihre bloße Implementierung Prozesse verbessern. Sie werden letztlich immer nur zum Unternehmenserfolg beitragen, wenn sie gemeinsam mit Ihnen denken, und damit weiter als nur Sie allein es könnten. Wer zunächst bei der ersten deutschen SingularityU Summit mitdenken und -diskutieren möchte, muss sich jedoch gedulden, alle Tickets sind bereits ausverkauft.

ZT-Redakteurin

Lilli Iliev

ZT-Redakteurin
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