Top dogs are not alone

ZT im Interview mit Executive Coach Matthias Hettl

Top dogs are not alone

ZT im Interview mit Executive Coach Matthias Hettl

Warum wirklich jeder einen Coach braucht, wie so ein Top Executive Coaching genau abläuft und ob er selber gecoacht wird, verrät „Der CEO Coach“ Dr. Matthias Hettl im Interview.

Herr Hettl, lassen Sie uns mit einer sehr direkten Frage beginnen: Sie sagen allen Führungskräften ganz klar: Jeder braucht einen Coach. Ist das tatsächlich so? Jeder, ohne Ausnahme?

Ja, definitiv, das ist so! Ein qualifizierter Executive Coach ist für Führungskräfte ein erfahrener Sparringspartner, der in vielen und teilweise karriereentscheidenden Situationen zur Seite steht und individuell weiterhilft. Jede Führungskraft steht täglich vor Herausforderungen und Fragen, welche die eigene Person betreffen. Zum Beispiel wie bei schwierigen Mitarbeiterfällen vorzugehen ist, wie man sich gegenüber Kollegen und Vorgesetzen professionell verhält, oder was in Karrierefragen wichtig ist. Das lässt sich meist nur bedingt intern mit Kollegen, Mitarbeitern oder dem Chef reflektieren. Daher hilft ein Coach mit professionellem Rat und profundem Erfahrungswissen zum Beispiel bei der Reflexion und Optimierung der individuellen Führungsarbeit oder mit Feedback zur Wirkung persönlicher Verhaltenstendenzen. Daher hat tatsächlich im Idealfall jede Führungskraft einen Executive Coach.

Sind deutsche Vorstandsetagen und Geschäftsführer wirklich schon bereit für diese Entwicklung? Viele stehen da ja eventuell noch auf dem Standpunkt „Ich brauche das nicht – früher ging es ja auch ohne individuelle Begleitung“.

Da hat sich in den letzten Jahren einiges gewandelt. Executive Coaching ist zwischenzeitlich eine etablierte, geschätzte und wirksame Methode in der Führungskräfteausbildung vieler mittelständischer und größerer Unternehmen. Erstklassige Ergebnisse bei der persönlichen Arbeit mit CEOs haben zur Erkenntnis geführt, dass gerade in der heutigen Zeit, mit ihren sich schnell ändernden Märkten, den vielfältigen Herausforderungen im Bereich der Technologie, bei Arbeitskräften, an den Finanzmärkten und den regulatorischen Anforderungen, um nur einige zu nennen, ein Executive Coach als unabhängiger und persönlicher Berater sehr hilfreich sein kann. Vorstände und auch Personalverantwortliche schätzen gezieltes Top Management Coaching sowohl als Unterstützung der Spitzenführungskräfte, wie auch als systematischen Beitrag zur Wertsteigerung des Unternehmens. Das hat Eric Schmidt, der ehemalige Chairman und CEO von Google ebenso erkannt, indem er sagte: „Der beste Rat, den ich als neuer CEO erhalten habe, war: Engagiere einen Top Executive Coach”, und er sagte weiter: „Als ich merkte, dass ich ihm trauen konnte und er mir mit neuen Erkenntnissen und Einsichten half, war ich überzeugt von seinem Rat“.

»Erfolgreiche Top-Führungskrä e sind reflektierte Persönlichkeiten, die o mals bescheiden wirken, jedoch mit einer unglaublichen Passion immer wieder hervorragende Ergebnisse erzielen.«

Sind machterprobte CEOs und Top-Führungskräfte nach Ihrer Erfahrung überhaupt fähig, sich einem „außenstehenden“ Coach wirklich und vollständig zu öffnen? Sind sie wirklich bereit, dessen Vorschlägen oder Anregungen auch zu folgen? Oder noch direkter ausgedrückt: Kann ein zu hohes Ego den angestrebten Coaching-Erfolgen im Wege stehen?

Insbesondere gute und erfolgreiche CEOs und Top-Führungskräfte wollen stets noch besser werden und suchen meist von sich aus die Zusammenarbeit mit einem Top Executive Coach für eine exklusive, vertrauensvolle Einzelberatung. Die Aufgabe des Coaches ist es, sich dieses Vertrauen seines Coachees – der meist eine sehr starke Persönlichkeit ist – zu erarbeiten. Wenn diese Vertrauensbasis zwischen Coach und Coachee erst einmal hergestellt ist, dann besteht auch immer die Bereitschaft, die Empfehlungen nicht nur anzunehmen, sondern auch umzusetzen. Ich persönlich habe noch nie erlebt, dass ein zu großes Ego dem Umsetzungserfolg im Wege stand.

Was sind die langfristigen Auswirkungen, wenn ein CEO auf dem Standpunkt beharrt, weiterhin alle seine Aufgaben alleine und ohne Input eines neutralen Dritten schaffen zu können? Ist so etwas überhaupt noch möglich? Gibt es solche Superfrauen oder Supermänner der Führung tatsächlich, die alleine sehr erfolgreich und visionär über lange Jahre hinweg agieren können?

Führung auf der obersten Ebene ist zuallererst die Führung eines High Performing Teams von hoch intelligenten, hoch qualifizierten und äußerst talentierten Individuen. Ein CEO kann das Unternehmen nicht alleine führen. Top-Führungskräfte, die glauben, sie können alles selbst machen, entscheiden schlecht oder gar nicht, was zu einem signifikanten Vertrauensverlust, persönlich zum „Burnout“ und unternehmerisch in ein Desaster führt. Erfolgreiche Top Führungskräfte sind reflektierte Persönlichkeiten, die oftmals bescheiden wirken, jedoch mit einer unglaublichen Passion immer wieder hervorragende Ergebnisse erzielen. Sie sehen sich dabei als den obersten Garanten für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens.

Was sind die Hauptvorteile eines Top Executive Coaching, wie Sie es anbieten?

Bei der Durchführung eines Executive Coaching ist die Zielsetzung die Reflexion der aktuellen Situation des Coachees auf Augenhöhe, im Sinne eines Management Sparrings. Das Coaching als Business Coaching hat dabei verschiedene Facetten und ist darauf ausgelegt, Management- und Führungsfragen, das Zusammenspiel des Führungsteams, das Auftreten und Wirken als CEO zu reflektieren, mögliche „blinde Flecken“ zu erkennen und an konkreten Lösungsmöglichkeiten zu arbeiten. Als Top Management Coach arbeite ich daran, dass CEOs ihre bisher gewohnten und bewährten Erfolgsmuster hinterfragen, sich innerlich neu positionieren und mit den geänderten Rollenanforderungen in ihrer Position vertraut machen. Durch die hochkarätige Begleitung werden dann aus erfolgreichen Führungspersonen exzellente Führungspersönlichkeiten.

Wie sieht ein regelmäßiges Top Executive Coaching im Detail in der Durchführung aus? Welche Formen der Zusammenarbeit und des Austausches zwischen Führungskraft und Coach gibt es?

Ein Executive Coaching ist in der Regel eine längerfristige Begleitung, die zwischen sechs Monaten und zwei Jahren dauert. Es gibt auch Executive Coachings, die noch länger dauern. Das Executive Coaching erfolgt auf der Basis eines individuellen Vorgesprächs bzw. Briefings. Dieses dient der konkreten Auftragsklärung, dem Kennenlernen der Unternehmensstrukturen und -systeme, der Führungskultur sowie der Formulierung der genauen Zielsetzung des Executive Coachings. Daraus leitet sich dann die Formulierung der individuellen Executive Coaching Roadmap ab.
Zu Beginn des Executive-Coaching-Prozesses ist es auch üblich, auf der Basis von wissenschaftlich verifizierten Persönlichkeitsanalysen dem Coachee eine Orientierung zu seinem individuell präferierten Verhalten sowie seinem Persönlichkeitstyp und seiner Motivationsstruktur zu geben. Die Art der Zusammenarbeit ist auf jeden Fall vielschichtig und geht überwiegend von persönlichen Gesprächen über Video- und Telefonkonferenzen bis hin zu E-Mail Coachings.

»Für ein Top Executive Coaching ist es hilfreich, dieses nicht im eigentlichen Arbeitsumfeld durchzuführen. Nach Möglichkeit suchen wir eine zeitlich e ektive Variante für den Coachee außerhalb der eigenen Bürowände.«

Und in welcher Intensität bzw. in welchem Rhythmus sollen Coaching-Sessions der Top-Führungskraft stattfinden? Deren zeitliche Verfügbarkeit ist ja vermutlich ein spezielles Thema.

Wenn eine Top-Führungskraft erlebt hat, wie wertvoll und gewinnbringend ein Executive Coaching ist, dann findet sich immer ein Termin. Dies gilt besonders bei akut auftretendem Beratungsbedarf. Der Coaching-Rhythmus ist ebenfalls sehr individuell, kann wöchentlich beginnen und pendelt sich dann in einem Intervall, das zwischen vier bis sechs Wochen liegt, bis hin zu einem zwei- bis viermonatigen Rhythmus ein. Wichtig ist, dass der Executive Coach auch kurzfristig zur Verfügung steht. Die eigentliche Dauer wird ebenfalls, je nach Thema und Anlass, immer individuell vereinbart und reicht von zwei bis drei Stunden bis hin zu einem ganzen Tag.

Welche Orte empfehlen Sie für Top Executive Coaching Programme? Sehr oft hört man ja von Coachings in der Natur, an einem See, auf einem Berg, um die Führungskraft, den CEO außerhalb seiner gewohnten Umgebung auch zu neuen Denkmustern und Erkenntnissen einzuladen.

Für Top Executive Coachings ist es meist hilfreich, diese nicht im eigentlichen Arbeitsumfeld durchzuführen. Das kommt zwar auch vor, aber nach Möglichkeit suchen wir eine zeitlich effektive Variante für den Coachee außerhalb der
eigenen Bürowände. Das bietet einen gewissen Auszeitcharakter mit Helicopterview. Bei den Orten steht eine große Bandbreite zur Verfügung. Diese beginnt bei einem ruhigen Seminarraum in einem passenden Tagungshotel, geht über eine einsame Berghütte mit Blick in die Alpen bis hin zum 1. Klasse-Abteil des ICE oder zum First Class Terminal am Flughafen Frankfurt. Der ausgefallenste Coachingort, den ich je erlebt habe, war ein Airbus 380 auf einem Flug nach Asien. Wichtig ist in allen Fällen dabei ein ungestörtes und ruhiges Ambiente, das nicht ablenkt und einen Mehrwert für den Coachee schafft.

Wie sehen Sie die Zukunft der Führung in – sagen wir – 10 Jahren? Werden dann alle CEOs und Vorstände automatisch einen eigenen Coach haben? Wird Executive Coaching dann zum unternehmerischen Alltag gehören? Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?

Durch den immer stärkeren Wettbewerb um Talente gewinnt der Erfolgsfaktor Führung an zentraler Bedeutung. Dies insbesondere auch deshalb, weil die Unternehmenswirklichkeit immer dynamischer und vernetzter wird. Dadurch steigt der Anspruch an Führungskräfte, sich zukünftig noch mehr als heute mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Das Unternehmensumfeld und insbesondere die Mitarbeiter werden deutlich anspruchsvoller. Damit wird auch der Bedarf an Executive Coaching deutlich steigen. Bei einem Blick in die englischsprachigen Länder lässt sich dieser Trend bereits erkennen. Dort führt die momentane Entwicklung bereits zu einer noch stärkeren Nachfrage nach Executive Coaching, zunehmend auch in mittelständischen und kleineren Unternehmen.

»Ich habe selbstverständlich auch einen Coach und Mentor. Es ist ein sehr erfahrener „alter Hase“ im Top Executive Coaching, mit umfassender Expertise und einem weitreichenden Erfahrungsschatz.«

Haben Sie selber einen Coach, der Sie auf Ihrer beruflichen Reise begleitet und inspiriert?

Ich habe selbstverständlich auch einen Coach und Mentor. Es ist ein sehr erfahrener „alter Hase“ im Top Executive Coaching, mit umfassender Expertise und einem weitreichenden Erfahrungsschatz. Ich treffe ihn regelmäßig entweder in Deutschland oder in den USA. Bei unseren Terminen erhalte ich immer wieder eine Reihe wertvoller Anregungen, Tipps und Erkenntnisse zu meiner persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Diese Treffen sind für mich äußerst inspirierend und bringen mich in vielerlei Hinsicht weiter.

Zum Abschluss wie immer die Frage an alle unsere Interviewpartner: Verraten Sie uns die drei wichtigsten Erkenntnisse, die im Laufe Ihres bisherigen Lebens für Sie wegweisend waren?

1. Wissen allein ohne zu Handeln ist nutzlos. Meist besteht kein Erkenntnisproblem, sondern es besteht ein Umsetzungsproblem. Dieses lässt sich auch mit dem einfachen Begriff „Selbstdisziplin“ beschreiben. Wir leben in keiner Leistungsgesellschaft, sondern in einer Ergebnisgesellschaft. Sicher erfolgt ohne dauerhaft gute Leistung kein Ergebnis, doch wenn eine Fußballmannschaft drückend überlegen ist und am Ende das gegnerische Team ein Tor schießt, dann zählt letztlich immer nur das Ergebnis.

2. Was wir denken ist entscheidend. Denn unser Denken bestimmt unser Handeln.

3. Und besonders wichtig: Eine grundsätzlich optimistische Einstellung hilft, bessere persönliche Resultate zu erzielen. Daher finde ich es nützlicher, das Glas immer mindestens halb voll zu sehen!


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Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hettl.

Matthias Hettl

Matthias Hettl

Experte für Executive-Coaching
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