Schattensprünge

So sprengen Sie Ihre Grenzen

Schattensprünge

So sprengen Sie Ihre Grenzen

Viele kennen die Tendenz in sich: Erstmal nach den Gründen suchen, warum etwas nicht klappen kann. Hinter diesen Gründen verbirgt sich jedoch letztlich meist die eigene Bequemlichkeit. Statt zunächst zu überlegen, wie ein erfolgreicher Weg aussehen könnte, auch wenn er von gewohnten Denkmustern abweicht, haben wir oft innerlich schon abgelehnt. Wie kann es funktionieren, sich im Alltag flexible Denkkonzepte zu bewahren und damit ab sofort ein Schattenspringer zu werden?

Nach der Mittagspause oder wenn die Gruppendynamik ins Stocken gerät, mache ich mit meinen Firmenteams gerne dieses Pausenspiel: Alle Teilnehmer stehen in einem Kreis und ein Tennisball soll durch ihre Hände gehen.

Sobald sie sich auf eine Vorgehensweise geeinigt haben, wird der Countdown 3-2-1 gezählt, die Stoppuhr gestartet und der Ball geht durch die Hände. Wenn er wieder beim ersten angekommen ist, wird die Zeit gestoppt und meistens stehen durchschnittlich 10 Sekunden auf der Uhr. Jetzt wird die
Anforderung von mir erhöht. Der Ball muss in einer Zeit von unter 1,2 Sekunden durch alle Hände gehen.

„Das geht nicht“, „So ein Schmarrn“, „Das ist unmöglich“, sind die häufigsten und noch harmlosesten Reaktionen. Beim letzten Mal meinte einer der Teilnehmer sogar, dass dies physikalisch gar nicht möglich sei und versuchte, mir dies auch pseudowissenschaftlich zu erklären. Nun, Tatsache ist: Es geht – die eine oder andere Gruppe hat es auch schon unter einer Sekunde geschafft, 0,75 Sekunden war bisher das beste Ergebnis.

Was mich wirklich fasziniert, ist, dass oft der eine oder andere Kollege schon nach zwei Minuten den richtigen Lösungsansatz sagt, aber die Kollegen diesen Vorschlag gar nicht erst in Betracht ziehen, sondern sofort viele Gründe vorbringen, weshalb das nicht gehen kann.

»Viele Menschen haben einen Schalter im Kopf, der auf dem „Es-geht-nicht“-Modus steht.«

Tausend und ein Grund, warum es nicht geht

Weshalb machen wir das? Weshalb setzen wir uns bei Herausforderungen sofort Grenzen und beweisen uns wortreich, wieso das gar nicht gehen kann?

Egal ob ich im Training tätig bin, mit Zuhörern in meinen Vorträgen spreche oder mit Entscheidern in einem Meeting sitze, viele meiner Gesprächspartner können mir minutenlang erzählen, weshalb eine Vision, eine Idee oder sogar ein konkreter Plan nicht funktionieren wird. Menschen sind unglaublich kreativ, wenn es darum geht, Gründe und Beweise zu finden, weshalb etwas nicht funktionieren wird. Das Spannendste dabei ist, sie haben immer Recht.

Viele Menschen haben einen Schalter im Kopf, der auf dem „Es-geht-nicht“-Modus steht. Wenn es nach mir ginge, würde ich ja gerne diesen Schalter einfach mal kräftig drücken, damit er auf den „Es-geht“-Modus springt. Denn, wenn die Menschen es schaffen würden, kontinuierlich im „Es-geht“-Modus zu agieren, würden sie in der gleichen Zeit genauso viele Argumente finden, warum etwas geht. Das Spannendste daran, am Ende haben sie immer Recht.

Als ich vor einem Jahr beschlossen habe, für ein Jahr kein Fleisch mehr zu essen, kamen viele Menschen auf mich zu, um diese Entscheidung zu kommentieren. Da gab es die „Fleisch-ist-wichtig“-Fraktion, die mir erklärte, dass das Eiweiß im Fleisch mir fehlen würde, dass wir von der Natur als Fleischfresser bestimmt sind und es sich negativ auf meine Fitness und mein Durchhaltevermögen auswirken würde. Dann gab es noch die „Fleisch-ist-ungesund“-Fraktion, die mir erklärte, weshalb es eine sehr gute Entscheidung sei, kein Fleisch mehr zu essen; aus umwelttechnischen Gründen, weil es mich müde machen würde, weil unser Körper nicht wirklich als Fleischesser ausgelegt sei und viele Gründe mehr. Beide Parteien hatten Recht, in ihrer Welt. Wenn ich an das eine glaube, werde ich viele „Beweise“ finden, weshalb ich Recht habe. Wenn ich dagegen von der anderen Seite überzeugt bin, werde ich dafür auch viele „Beweise“ finden. Am Ende entscheiden immer Sie, ob Sie zukünftig einen Schattensprung wagen und sich für den „Es-geht“-Modus entscheiden oder eben nicht.

So entkommen Sie dem „Es-geht-nicht“-Modus

Wenn Ihnen, liebe Leser, dieser Sprung im ersten Schritt als zu gewagt erscheint, können Sie auch einen Zwischenmodus ansteuern. Den „Wie-könnte-es-gehen“-Modus. Manchmal brauchen wir dazu auch den Mut, so zu denken, als wären alle Ressourcen vorhanden.

Vor einiger Zeit fragte mich ein Kunde, ob ich das in seinem Unternehmen bereits gehaltene Training auch mit einer internationalen Mannschaft durchführen würde, also auf Englisch. Mein Englisch ist sozusagen ausbaufähig, obwohl ich mich in Amerika ganz gut auf Conventions und ähnlichen Veranstaltungen schlage, ein Training in dieser anderen Sprache durchzuführen, ist schon eine größere Nummer. Mein erster Impuls war also „nein“ zu sagen, doch meinem eigenen Vorsatz folgend legte ich den Schalter auf „Es-geht“-Modus und sagte: „Ja, gerne.“ Nachdem das Gespräch beendet war und ich den Hörer aufgelegt hatte, wurde mir die Tragweite meiner Entscheidung erstmals so richtig bewusst, und ich erschrak schon etwas. Das nennt man „Angst vor der eigenen Courage“. Fast hätte ich noch einmal angerufen und einen „übersehenen“ Termin als Absagegrund vorgeschoben. Stattdessen stellte ich meinen Schalter auf den „Wie-könnte-es-gehen“-Modus, und dadurch kamen eine Reihe von Fragen auf: Wovor fürchte ich mich? Was könnte funktionieren? Was fehlt mir? Was bringe ich mit? Am Ende blieben zwei Punkte übrig: 1. Mangelnde Erfahrung, ein Training in Englisch durchzuführen – also die Angst vor zu vielen Unbekannten. 2. Ich bin mir sicher, alles in Englisch ausdrücken zu können, was mir wichtig ist – nicht perfekt, aber grundsätzlich – was ich dagegen nicht immer verstehe, ist, was mir mein Gesprächspartner tatsächlich sagen will.

»Am Ende entscheiden immer Sie, ob Sie zukünftig einen Schattensprung wagen und sich für den „Es-geht“-Modus entscheiden, oder eben nicht.«

Das war jetzt eine ganz andere Perspektive: von „Das kann ich nicht“ zu „Zwei konkrete Punkte sind eine Herausforderung“. Und genau dafür brauchte ich eine Lösung. Ich will dieses Training durchführen, aber ich brauche ein Backup für schwierige Situationen in diesem Training, also einen versierten Dolmetscher!

Da hatte ich sogar einen in meinem Kollegenkreis – es wurde ein erfolgreiches Training, an dem viel mehr klappte, als ich im Vorfeld gedacht hätte. Durch mein „Backup“ fühlte ich mich sicher. Ich erzähle diese Geschichte gerne Kolleginnen oder Kollegen, wenn sie mir erzählen, dass sie eine Anfrage haben, ein Training oder einen Vortrag in englischer Sprache zu halten, aber ihre Grenzen kennen.

Dabei höre ich immer wieder: „Stimmt, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich habe immer nur darüber nachgedacht, warum ich es nicht machen kann und dass es noch lange dauern wird, bis mein Englisch einmal 100%ig ist.“

Es ist also wichtig, zuerst einmal die gesamte Situation zu analysieren. Anstatt die Aufgabe zur Gänze als „das geht ja nie“ abzulehnen, finden Sie heraus: Was wäre möglich oder was wäre möglich, wenn Sie „xyz“ hätten.

»Viele Menschen verharren in ihren Träumen direkt vor dem ersten Schritt.«

Das „fünfte“ Tischbein

Stellen Sie sich einen Bistrotisch mit einem Bein vor. Der Tisch ist Ihr Ziel, Ihr Wunsch oder Ihre Vision. Das Bein, welches in der Mitte angebracht ist, ist die Ressource, die Ihnen auf den ersten Blick fehlt. Angenommen, Sie haben diese Ressource aber, was wäre dann Ihr nächster Schritt? Wie würden Sie es angehen? Welche Ideen und Lösungen hätten Sie für Schritt eins, zwei, drei und/oder vier? Wenn Sie also genau wüssten, wie Schritt eins aussehen soll, befestigen Sie diesen „Schritt“ als nächstes Tischbein am Tisch hinten rechts. Danach planen Sie Schritt zwei. Überlegen Sie genau, wie Sie diesen durchführen würden und befestigen ihn rechts vorne. Ebenso verfahren Sie mit Schritt drei und vier und befestigen das jeweilige Tischbein dann links hinten und vorne. Jetzt können Sie das fünfte, mittlere Tischbein entfernen, denn Ihr Tisch steht auch mit den vier anderen Beinen. Das nenne ich die „Das-fünfte-Tischbein“-Methode.

Durch das Blockieren unserer Gedanken, weil der erste Schritt vermeintlich nicht möglich ist, denken wir selten oder nie über die weiteren Schritte nach. Und wir merken gar nicht, dass wir von unserem Traum vielleicht nur einen kleinen Schritt entfernt sind. Schauen Sie sich das „fünfte“ Bein an. Ist es wirklich so wichtig oder würden die anderen vier Beine ausreichen? Was hindert Sie daran, einfach mit Schritt zwei zu beginnen? Unter Umständen sehen Sie jetzt auch eine Lösung, nachdem Sie die vier anderen Schritte durchgegangen sind und sie im Detail einmal geplant haben. Der erste Schritt erscheint uns oft so schwierig oder unüberwindbar, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen oder für einen nächsten Schritt keine Energie mehr haben.

Viele Menschen verharren in ihren Träumen direkt vor dem ersten Schritt und erstarren davor wie eine Maus vor der Schlange. Oder sie springen gleich vom ersten Schritt zum Ende und träumen davon, wie schön es wäre, dieses Ziel jetzt erreicht zu haben. Dem Weg dazwischen dagegen schenken sie keine Aufmerksamkeit und sprengen so selten wirklich ihre Grenzen.

»Durch das Blockieren unserer Gedanken, weil der erste Schritt vermeintlich nicht möglich ist, denken wir selten oder nie über die weiteren Schritte nach.«

Wagemutige verlieren auch mal

Ja, selbstverständlich kann es auch schiefgehen. Wer etwas wagt, kann auch verlieren. Doch nie etwas zu wagen, bedeutet, bereits verloren zu haben, bevor es überhaupt losging. Nina Hagen sagte einmal: „Sie haben mich nicht auf die Schauspielschule gelassen – ich bin trotzdem auf die Bühne gegangen! Ich habe meine Meinung gesagt und mir ein neues Land zum Leben gesucht. Wenn ich mich immer nach anderen gerichtet hätte, dann wäre ich nicht ick – und ick bin ick. Wenn wir wollen, können wir die Welt anhalten!“

Wenn es nötig ist, halten Sie die Welt an, aber laufen Sie nicht wie eingesperrt immer am Grenzzaun auf und ab. Sicherlich geht es nicht immer auf dem direkten Weg. Manchmal ist es vielleicht erforderlich, einen größeren Umweg zu machen oder das Ziel in kleine Häppchen zu zerlegen, oder im ersten Schritt eine Nummer kleiner zu starten. Doch wenn es Ihnen wirklich wichtig ist, Ihre Grenzen zu sprengen, sollte nichts und niemand Sie aufhalten können.

»Sicherlich geht es nicht immer auf dem direkten Weg. Manchmal ist es vielleicht erforderlich, einen größeren Umweg zu machen oder das Ziel in kleine Häppchen zu zerlegen, oder im ersten Schritt eine Nummer kleiner zu starten.«

Vertrauen in den Weg

Die Welt ist voller Menschen, die Ihnen helfen können. Fragen Sie. Bitten Sie. Aber lassen Sie nicht los, Ihre Ziele zu verfolgen und Ihren Weg zu gehen. Wenn Sie Ihr Ziel, eine Grenze zu sprengen, genau geplant und definiert haben, wenn Sie bereit sind, Ihre Grenze zu überwinden, werden sie erstaunt sein, von welchen Menschen und aus welchen Ecken plötzlich Unterstützung kommt. Vertrauen Sie sich und der Welt.


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Expertin für Schattensprünge

Gaby S. Graupner

Expertin für Schattensprünge
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