Gute Ideen sind kein Zufall

War­um wir krea­ti­ve, neue Ide­en för­dern müs­sen

Gute Ideen sind kein Zufall

War­um wir krea­ti­ve, neue Ide­en för­dern müs­sen

Märkte sind heute einem beschleunigten Wandel unterworfen, der Unternehmen und Führungskräfte vor komplexe Aufgaben stellt. Das bringt auch die Herausforderung mit sich, gute Ideen schnell zu erkennen und umzusetzen, auch wenn sie unkonventionell und kühn erscheinen. Nur kreative Lösungen bringen den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz, daher ist es Zeit für ein neues Mindset!

“Mal sehen, wie lange die damit durchkommen”, sagte ein Freund zu mir als wir von der einstweiligen Verfügung gegen die Transport-App Uber aus Kalifornien hörten. Privatleute können durch die App sowohl selbst als Taxifahrer Passagiere mit einem Privatwagen durch die Gegend kutschieren als auch Uber-Fahrer zu sich rufen. Taxi Deutschland rief wie viele andere Verbände weltweit zu Protesten auf. In Deutschland wurde Uber, das momentan mehr wert ist als Audi und BMW zusammen, aus Sicherheitsgründen verboten. Die Fälle häufen sich, in denen ein Markt vollkommen unerwartet aufgemischt wird durch ein Unternehmen am anderen Ende der Welt, das durch radikale Innovationen für eine ernsthafte Bedrohung sorgt. Während die Taxiverbände in ihrer Verzweiflung “das können die doch nicht machen” denken und zu rechtlichen Mitteln greifen, denken sich die Mitarbeiter bei Uber das gleiche und kündigen an, die einstweilige Verfügung zu ignorieren. Das haben sie bisher immer so gemacht. Es ist ohne Zweifel nur eine Frage der Zeit, bis der vollkommen überregulierte Taxi-Markt entweder zusammenbricht oder radikal umstrukturiert wird. Letzteres würde ein schnelles Handeln der Gesetzgeber verlangen, was aus Erfahrung eher unwahrscheinlich ist.

Die Zeiten sind vorbei, in denen Unternehmen Innovationen vorantreiben konnten, ohne dabei auf globale Trends und komplexe Märkte zu schauen. Der Schlüssel zu Durchbruchsinnovationen liegt in ihrer Geschwindigkeit. In Deutschland sind viele Unternehmen zu langsam, sie verpassen Gelegenheiten oder scheitern an der Umsetzung guter Ideen. Um dem entgegenzuwirken, müssen Unternehmen ein neues Mindset entwickeln.  

Innovatives Denken in komplexen Märkten beginnt mit dem Verständnis, dass Entwicklungen nicht linear verlaufen und dass wir durch Logik allein nicht für erfolgreiche Innovationen sorgen können. Neues zu entwickeln ist aus vielen Gründen eine komplexe Aufgabe. Ideen sind abhängig von den Ideen anderer, gute Ideen sind schwer zu erkennen und ihr Erfolg oft erst im Nachhinein beurteilbar. Gute Ideen sind aber kein Zufall. Sie zu entwickeln erfordert das Verständnis komplexer Zusammenhänge und eine große Toleranz für zeitweiliges Chaos. Weil chaotische Umstände jedoch schwer zu managen sind und zudem kaum Vorhersagen erlauben, stehen Unternehmen vor einer großen Herausforderung. 

Diese Herausforderung lässt sich durch vier Dimensionen beschreiben: Volatilität, die Geschwindigkeit und Dynamik, mit der Veränderungen einhergehen. Unsicherheit, das Ausbleiben von Vorhersagbarkeit und damit Überraschungen wie zum Beispiel Uber für Taxiverbände. Komplexität, vermittelt durch die große Anzahl interagierender Faktoren und damit das Chaos, das ein Unternehmen umgibt. Und Ambiguität, den Mangel an Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, Doppeldeutigkeiten und viele weitere Unbekannte. Dieses “VUKA”-Modell stammt ursprünglich vom Militär und hilft uns einzuordnen, womit wir es eigentlich zu tun haben, wenn wir versuchen, ein globales Mindset bei Führungskräften zu entwickeln.

Was können wir tun? Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer verschlossenen Tür. Sie haben einen Schlüsselbund bei sich mit vielen unterschiedlichen Schlüsseln und Sie probieren einen nach dem anderen, bis einer schließlich die Tür öffnet. Sie treten in einen kleinen Raum mit drei Türen. Sie wählen eine aus und beginnen erneut mit Ihren Schlüsseln die Tür zu öffnen. Im nächsten Raum erwarten Sie wieder drei Türen und so gehen Sie von einem Raum zum nächsten. So wie Sie gedanklich vorgehen, verlaufen auch Fortschritt und Innovation. Jeder Raum beschreibt einen Zustand, von dem aus wir einige mögliche zukünftige Entwicklungen sehen. Der Schlüsselbund beschreibt eine Sammlung von Skills, Kompetenzen und Eigenschaften, die Sie einsetzen um fortzuschreiten. Die Türen sind die Herausforderungen, denen sich Unternehmen durch neue Ideen stellen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Viele Unternehmen arbeiten mit Feuereifer daran neue Schlüssel zu entwickeln, Mitarbeiter mit Kompetenzen auszustatten, die sie brauchen um neue Ideen zu entwickeln, komplexe Projekte zu managen und global zu koordinieren. Aber nur wenige Unternehmen arbeiten daran, Mitarbeitende durch möglichst viele Türen zu schicken. Natürlich stellen Kompetenzen den ultimativen Schlüssel dar, um überhaupt voranzukommen. Aber Fortschritt braucht Menschen, die mit Mut durch Türen gehen um unbekannte Räume zu erschließen. Und genau dazu braucht es ein neues Mindset.

Versuchen wir das einmal auf den Bereich Learning & Development zu übertragen: Angenommen, unser Unternehmen bietet Seminare an. Seminare bestehen aus einem Experten, der zu einem bestimmten Thema einer Kleingruppe Wissen vermittelt. Wir wollen diesen Zustand entwickeln und stehen vor drei Türen. Eine Tür besteht aus der Idee, Raum und Zeit des Seminars aufzulösen und flexiblen Austausch zwischen Teilnehmern und Experten zu ermöglichen, wann immer er gebraucht wird. Die zweite Tür eliminiert den Experten und lässt die Gruppe unter sich Lösungen entwickeln. Die dritte Tür schließlich ändert die Funktion des Seminars: Nicht Wissen soll vermittelt, sondern informeller Austausch gefördert werden. Das sind Ihre Türen. Durch welche wollen Sie gehen?

Viele meiner Klienten zögern an dieser Stelle und listen auf, was gegen die einzelnen Türen spricht. Das ist ganz natürlich, nur leider wenig hilfreich. Lassen Sie uns gedanklich durch die zweite Tür gehen und den Experten eliminieren. Sie sind jetzt in einem Raum mit einer Kleingruppe, die versucht, Lösungen zu entwickeln. Welche Türen sehen Sie als nächstes? Wohin bringen Sie diese Gruppe jetzt? Eine Tür macht aus der Kleingruppe eine Konferenz, die zweite ersetzt das direkte Lösen von Problemen durch ein simuliertes Spiel, das die Gruppe über zwei Tage lang spielt, um Lösungen zu generieren. Eine dritte Tür schließlich kombiniert die Arbeit der Kleingruppe mit der Aufgabe, Lösungen in einem Buch zusammenzutragen, das am Ende veröffentlicht wird. Welche Tür nehmen Sie jetzt? Beim Fortschritt durch die Räume kommen Sie vielleicht wie meine Klienten auch bei verrückten Seminarkonzepten an, die während eines Fluges nach San Francisco stattfinden oder ein Überlebenstraining in sozialen Brennpunkten Berlins beinhalten. Anstatt zu überlegen, warum Ideen nicht funktionieren werden, entwickeln wir eine Welt, in der sie funktionieren.

“Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erschien.” Das sagte Albert Einstein und liefert uns damit den Kern des Mindsets, das uns durch die Türen gehen lässt. Ob etwas machbar oder sinnvoll ist, bleibt zweitrangig, wenn es um Fortschritt geht. Wären Taxiverbände nicht im ersten Raum stehengeblieben, weil sie es für wenig sinnvoll hielten weiterzugehen, hätte möglicherweise Taxi Deutschland die App entwickeln können, die Uber heute so bedrohlich macht. Ein globales Mindset in Organisationen bedeutet, früh mit den richtigen Schlüsseln durch Türen zu gehen, obwohl man nicht muss. In einer „VUKA“-Welt tut es sonst jemand anderes.


Warning: Use of undefined constant php - assumed 'php' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /is/htdocs/wp12042492_OVP83MEGAY/www/wpnew.zukunfttraining.de/wp-content/themes/quince/content.php on line 79
Christoph Burlhardt

Christoph Burkhardt

Innovationsberater und Kognitionspsychologe
Zur Autorenseite

Empfohlene Artikel: