Das Urwald-System

Was wir vom Urwald über moderne Unternehmensführung lernen können

Das Urwald-System

Was wir vom Urwald über moderne Unternehmensführung lernen können

Der Urwald ist mit seinem Artenreichtum und seinen hochkomplexen Prozessen das größte Kommunikationsnetzwerk der Erde. Seit Milliarden von Jahren funktioniert es als selbstorganisiertes System und reagiert mit genialen Anpassungsmechanismen auf Veränderungen. Bettina Stark erklärt, wie Führungskräfte von dem auf Langfristigkeit ausgelegten System lernen und gibt kreative Impulse zur system(at)ischen Entwicklung von Kommunikations- und Innovationsprozessen.

Der Urwald hat seine eigenen, natürlichen Gesetze. Innerhalb dieses ursprünglichen Lebensraumes lautet sein Erfolgsrezept: Beziehungen im Netzwerk nutzen und aus Krisen neue Strategien entwickeln. Mammutbäume beherrschen diese systemischen Erfolgsansätze in beispielhafter Art und Weise.

Ein Netzwerk von Pilzen, Flechten und Moosen lebt und „arbeitet“ in engster Symbiose mit dem Baum. Während Pilze seine Pflanzenwurzeln mantelartig umschließen und der Baum so Nährstoffe aus dem Boden aufnimmt, erhält der Pilz als Gegenleistung Nahrung in Form von durch Photosynthese erzeugte Kohlenhydrate. Gleichsam sorgen Pilzfäden zwischen Bäumen für eine enge Vernetzung und Informationsweitergabe. Ein gelebtes Beziehungsgeflecht ohne Kommunikationsverluste, dessen Langlebigkeit gesichert ist durch die konstruktive Partnerschaft mit Flechten. Diese widerstandsfähigsten Wesen der Erde besiedeln neben der Baumrinde von Mammuts auch Steine und tragen mit ihrer Flechtensäure zur Bodenbildung bei.

»Mangelndes Vertrauen löst Beziehungs- und Bindungsprobleme aus.«

Symbiotisch bildet der Urwald um den Mammutbaum so eine Lebensweise, die selbst Krisen wie Waldbrände bewältigt. Durch die massive Hitzeeinwirkung werden Samen in den zu Boden gefallenen Zapfen freigesetzt, von Sonnenlicht zum Wachstum angeregt und durch Symbiosepartner im Wurzelaufbau unterstützt. Diese Evolutionserfahrungen, mit wem er nachhaltige Beziehungen aufbaut, speichert der Baum in seinem „Gehirn“ – seinen Wurzeln.

Wie funktioniert ein „Beziehungsgeflecht“?

Auch Menschen greifen auf ihre Wurzeln zurück. Wurzeln sind unsere Erfahrungen, sie basieren auf vielfältigen Wahrnehmungen und Erkenntnissen erlebter Situationen. Sie geben uns Orientierung und sind der Schlüssel zum Erfolg im Beziehungsmanagement. Im Kontakt zu Kunden, zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, zu Partnern, und der Öffentlichkeit gilt es, Beziehungen zu analysieren und erfolgreich auszugestalten.

Beziehungs- und Bindungsprobleme werden durch mangelndes Vertrauen ausgelöst. Misstrauen, Depressionen, Angstzustände und Aggressivität können die Folgen sein. Diese beeinträchtigen Menschen in der erfolgreichen Entfaltung, dem persönlichen Wachstum jedes Einzelnen und des gesamten Unternehmens. Diese Verbindung zwischen Denken, Handeln und Erleben speichern wir in unseren Erfahrungswurzeln, die neben unserem Beziehungsmanagement auch unser Agieren in Veränderungsprozessen ausschlaggebend beeinflussen.

In Veränderungsprozessen stehen Verunsicherung, Widerstände, Ängste, Spekulationen und Glaubwürdigkeitsverlust der Beteiligten im Vordergrund. Zusätzlich kann es zu mehr Fehlern, z.B. in Arbeitsabläufen, kommen. Führungskräfte und Unternehmen stehen vor einem großen Veränderungsdruck. Es werden Managementkonzepte und –methoden verlangt, die auf so genannte Realtime-Informationen aufbauen. Wege, die aus solcher Verunsicherung herausführen, gelingen nur durch innere Klarheit und Kommunikation.

Der Transfer auf Unternehmens- und Führungssituationen bringt uns zum Einsatz der Stark‘schen 4 A’s: Anerkennung für das, was an Emotionen vorhanden ist. Achtsamkeit mit den eigenen Emotionen und den Gefühlen anderer. Aufmerksamkeit für vorhandene und empfangende Signale sowie
Authentizität in der Führung.

»Das Potential, uns zu verändern, weiter zu entwickeln, bringen wir mit. Wir müssen nur mutig genug sein, aus der Komfortzone heraus zu treten und uns darauf einlassen. Wir müssen es nutzen!«

Wie können Führungskräfte in Veränderungsprozessen erfolgreich agieren?

Pilze und Mammutbäume leben es vor: Diese beiden Netzwerker, die sich anders als Tiere und Menschen den Veränderungen ohne Fluchtmöglichkeiten stellen müssen, meistern Veränderungen erfolgreich durch eine nachhaltige Beziehungs- und Kommunikationskultur.

Veränderungen positiv zu begegnen, bedeutet nicht alleine die Ursache zu betrachten, sondern auch die damit verbundenen, sich plötzlich veränderten Prozessabläufe wahrzunehmen und umgehend zu reagieren. Es gilt, Mitarbeiter frühzeitig einzubinden und eine transparente, kontinuierliche Informationsweitergabe sicherzustellen. Die Kommunikation ist bewusst auf den Umgang mit Widerständlern einstellbar, um nur wenig bis keinen Nährboden für Unruhe und Unsicherheit zu bieten. Offene Informationspolitik hilft, Betroffene zu Partnern zu machen, und zwar indem auf die Bedürfnisse der involvierten Personen eingegangen wird und sie auf der für sie relevanten Informationsebene abgeholt werden. In gruppendynamischen Prozessen liegt der Fokus auf den
Rahmenbedingungen zur Selbstorganisation und der glaubhaften Veröffentlichung positiver Meilensteine und Ergebnisse.

Beziehungsgeflechte als Vorteil für Innovationsprozesse

Wie können diese Erfahrungswerte einzelner Mitarbeiter im Unternehmen durch eine kluge Personalstrategie für Innovationsprozesse genutzt werden?

„Unternehmen in Deutschland machen bei ihrem Innovationsmanagement bereits sehr viel richtig“, resümiert Dr. Steffen Gackstatter in einer globalen PwC-Studie. „Sie setzen auf Open Innovation, also die Zusammenarbeit mit Partnern. Sie haben vielfach schon die nötigen strukturellen Voraussetzungen für erfolgreiche Innovation geschaffen, sowie eine klare Innovationsstrategie definiert.“ Jedoch belegen praktische Studien auch, dass in Unternehmen Kompetenzen und Fähigkeiten eigener Mitarbeiter weitgehend ungenutzt bleiben und kaum Mitarbeiter anderer Branchen unter dem Gesichtspunkt des Erfahrungstransfers eingestellt werden.

Gerade durch die kulturelle Vielfalt in Deutschland bietet sich eine Fülle an neuen Formen von „Beziehungsgeflechten“. Auch hier können wir vom Urwald-System lernen. Etwa, indem wir bedürfnisgerechte Kommunikation als Vorteil für das Ergreifen von Marktchancen verstehen. Der Urwald reagiert auf alle neuen Gegebenheiten und „ergreift“ die Chancen, erfindungsreich sein Bedürfnis nach Verbundenheit und Wachstum für ein situatives Überleben zu entwickeln.

Persönliche Innovationsfreude

Wenn Führungskräfte nachhaltig die Zukunft für sich selbst, für ihr Unternehmen und für die nächsten Generationen gestalten, dann ist es wichtig, sich selbst zu kennen und erkennen, sich der vielseitigen Erfahrungen bewusst zu sein und daraus zu wachsen. Sich seinen Kompetenzen bewusst zu sein
bedeutet, die dabei notwendigen Werte, Normen und Regeln selbst zu verinnerlichen. Da Kompetenzen nicht durch Lernen alleine aufgebaut werden, ist emotions- und motivationsaktivierendes Erfahrungslernen notwendig. Wir brauchen Erfahrungs- und Praxisräume, in denen wir uns ermutigt und inspiriert fühlen, uns auf neue Erfahrungen mit uns selbst oder mit anderen einzulassen.

Um Ihre persönliche Innovationsfreude zu entdecken, stellen Sie sich
folgende Fragen:

› Bin ich offen für Veränderungsinitiativen?
› Ergreife ich die Chance, den Markt und die Produktentwicklung zu überdenken?
› Habe ich in den letzten 12 Monaten zu Veränderungs- und Entwicklungsprogrammen beigetragen?
› Analysiere ich den Wandel und bedenke die vielseitigen Auswirkungen?
› Führen meine Veränderungsprojekte zu nachhaltigen Erfolgen?

Innovation bedeutet, die Ressourcen aller beteiligten Partner sinnvoll zu bündeln. Machen Sie es wie der Mammutbaum: Er reduziert die Zusammenarbeit auf situative Kooperationen und hält die regelmäßigen Verbindungen auf das Existenzielle fokussiert. Auf die Arbeit von Führungskräften bezogen bedeutet dies, einen guten Blick auf Ziele, Inhalte, Zeit von Konferenzen und Meetings zu werfen. Und durch eine bedürfnisorientierte Gesprächsführung und Informationspolitik die Steuerung zu übernehmen.

»Selbst in Krisensituationen hat das Urwald-System bewiesen, dass es auf abgestimmte und bewährte Handlungsmuster zurückgreifen kann.«

Revolutionäres Kommunikationsnetzwerk und neues Führungsverhalten

Das faszinierende System Urwald zeigt, dass sich seine Potenziale entfalten, wenn sich seine Arten auf spezifische Aufgaben konzentrieren, spezialisieren, diese strukturieren sowie koordinieren. Selbst in Krisensituationen hat das Urwald-System bewiesen, dass es auf abgestimmte und bewährte Handlungsmuster zurückgreifen kann.

Um Potenziale bei Mitarbeitern zu entfalten, ist ein neues Führungsverhalten gefragt: Zutrauen, loslassen, experimentieren sowie Sinn, Talente und Intelligenz für die gemeinsame Zukunft nutzen. Mitarbeiter entfalten sich dann, wenn sie sich identifizieren, Freiräume erleben, Beziehungen eingehen und leben. Unternehmen sind dynamische Systeme, die sich durch Rückkoppelung und Vernetzung auszeichnen. Nutzen Sie die Wurzeln der Mitarbeiter, um ein Umfeld der Souveränität, Vertrauen, der Kreativität und Motivation zu
schaffen.


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Bettina Stark

Betina Stark

Kommunikationsexpertin
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