Besser Präsentieren

ZT im Interview mit dem Chief Presentation Officer Matthias Garten

Besser Präsentieren

ZT im Interview mit dem Chief Presentation Officer Matthias Garten

Was sich hinter „Augmented Impact Presentations“ verbirgt, wie wir im Jahre 2025 präsentieren werden und welche Rolle ein CPO in einem Unternehmen hat, verrät Präsentationsvisionär Matthias Garten in diesem Interview.

Monika B. Paitl im Interview mit Matthias Garten

Herr Garten, lassen Sie uns das Interview mit einer Grundsatzfrage beginnen: Frei sprechen oder präsentieren mit PowerPoint?

Ich bin durchaus für beides. Welche Form der Präsentation Sie schlussendlich verwenden, sollten Sie immer individuell von einer Reihe von Parametern abhängig machen. Vom Ziel Ihrer Präsentation, der Zielgruppe, also Ihrem Publikum und natürlich vom Thema. Beim klassischen Storytelling und für gewisse Keynote-Vorträge ist eine direkte Visualisierung meist nicht erforderlich, sie könnte sogar störend wirken. Denn ohne Bilder oder sonstige Ablenkungen können sich die Zuhörer voll auf den Redner und seine Inhalte einlassen.

Wenn wir aber im Gegensatz dazu Digital Storytelling nutzen oder Zusammenhänge, Abläufe und Strukturen verdeutlichen wollen, sparen wir Zeit, wenn wir ein Bild oder eine Grafik zeigen. Wichtig ist dabei, die Visualisierung den Fluss des Vortrags nicht unterbrechen, sondern unterstützen zu lassen! Seth Godin, ein amerikanischer Marketingexperte, hat diese Art der Präsentation perfektioniert. Referenten, die gelungene Visualisierungen zeigen, bleiben erwiesenermaßen besser im Gedächtnis ihrer Zuhörerschaft. In meiner Rolle als Trainer und Coach stelle ich immer wieder fest, dass Vortragende in der Vorbereitung ihrer Präsentation diese Thematik kaum reflektieren. Bei jeder Folie stellen sich wirklich exzellente
Vortragende die Frage: „Wird diese Folie überhaupt gebraucht?“ Wenn Sie so vorgehen, werden Ihre Präsentationen pointierter, klarer und mitreißender.

Wie viel Prozent PowerPoint verkraftet eine gelungene Präsentation? Gibt es eine magische Relation?

Eine spannende Frage, der wir in meiner Agentur schon nachgegangen sind, aber leider keine Pauschalformel gefunden haben. Als grobe Richtlinie lässt sich sagen: Ein Keynote-Vortrag im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, wie Führung oder Kommunikation, verträgt vielleicht 0 bis 10 Folien pro Stunde. Ein Vortrag, bei dem es um technische, naturwissenschaftliche oder andere sehr komplexe Themen geht, benötigt dafür ca. 30 – 60 Folien in der gleichen Zeit. Alternativ dazu gibt es die 10-20-30 Formel von Guy Kawasaki. 10 Folien in 20 Minuten mit Schriftgröße 30 Punkt.

»Auch wenn Sie ausgezeichneten Content haben, vernachlässigen Sie nie das Design Ihrer Präsentation. Ihr Publikum mag die neuesten Trends nicht explizit kennen, hat aber ein unbewusstes Gespür dafür.«

Was sind die aus Ihrer Sicht 3 wichtigsten Präsentations-Tipps?

1. Starten Sie mit einer soliden Analyse. Machen Sie sich klar, was ist Ihr Ziel, wer ist Ihre Zielgruppe, wo treten Sie auf, was sind die Erwartungen und Einstellungen. Danach wissen Sie, welche Inhalte der Vortrag enthalten muss und was Sie weglassen können.

2. Konzipieren Sie Ihren Vortrag flexibel vom Aufbau her und vor allem behaltenswert. Flexibilität hilft
Ihnen, sich geänderten Vortragsbedingungen anzupassen. Etwa, wenn ein Veranstalter plötzlich ankündigt, Sie hätten aus Zeitgründen statt 45 Minuten nur noch 30 Minuten Zeit. Behaltenswert bedeutet, die Präsentation in den Köpfen des Publikums als positiv und erinnerungswürdig abzuspeichern. Denn dadurch öffnen sich im Nachgang viele Türen. In meiner Agentur arbeiten wir gerade in Workshops mit Kunden sehr intensiv an diesem Punkt.

3. Verdeutlichen Sie sich immer wieder die zentrale Aussage Ihrer Präsentation. Eine Botschaft in meinen Vorträgen heißt „Präsentieren ist wie Busfahren“. Wenn Zuschauer sich das merken, habe ich meine Kernbotschaft gut vermittelt.

Vortragende, die diese Tipps beherrschen und intensiv anwenden, werden beim Präsentieren Quantensprünge machen!

Unterliegen auch Präsentationen aktuellen Designtrends, die es immer wieder anzupassen gilt, wie das z. B. bei Mode der Fall ist?

Ja, definitiv. Ich kann heute am Designstil eindeutig erkennen, aus welchem Jahr eine Präsentation stammt. Gerade in den letzten Jahren hat sich das sogenannte Flat-Design stark etabliert. Es verzichtet auf jegliche Schatten und 3D-Effekte. Ein weiterer leicht erkennbarer Stil ist das Digital Storytelling, also vollflächige Bilder mit 4-7 Wörtern auf der Folie. Beim Design gilt es, immer wachsam zu sein und zu prüfen, ob Sie noch im Trend liegen oder die Präsentation schon als überaltert gelten kann. Deswegen erstelle ich jedes Jahr meinen „Presentation Trend Report“. Mitarbeiter und Kunden sehen dann sehr schnell, was aktuell ist, und auch, was in den nächsten Jahren designtechnisch auf uns zukommt.
Auch wenn Sie ausgezeichneten Content haben, vernachlässigen Sie nie das Design Ihrer Präsentation. Ihr Publikum mag die neuesten Trends nicht explizit kennen, hat aber ein unbewusstes Gespür dafür. Wenn Sie über innovative Produkte sprechen, müssen diese auch innovativ dargestellt sein. Design ist Ausdruck einer bestimmten Haltung und schafft damit Verbindung zu einer bestimmten Zielgruppe.

In welche Richtung entwickeln sich Präsentationen? Wie werden wir in 5, in 10 Jahren präsentieren und öffentlich reden? Wie sieht die innovative, mitreißende Präsentation des Jahres 2025 aus?

Lassen Sie mich als Einstieg erläutern, was ich glaube, das nicht passieren wird. Derzeit beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit autonom fahrenden Autos! Aber in 10 Jahren wird es immer noch Referenten geben. Die autonome Präsentation hat, denke ich, keine Zukunft!

Eine Entwicklung, die ich auf jeden Fall sehe: Vereinfachung und Reduktion bei steigender Visualisierungsqualität. Wenn ich Publikum mit einem Vortrag – sei es online oder live – erreichen will, muss ich vereinfachen und Inhalte auf das Wesentliche reduzieren. Dabei aber trotzdem die Dinge auf den Punkt bringen und verständlich und gut inszeniert transportieren. Erfolgreiche Referenten der Zukunft müssen das beherrschen.

Ein weiterer Schwerpunkt, den ich sehe, ist Storytelling. Diese Jahrtausende alte Tradition wird es auch in 10 Jahren noch geben. Will ich als Referent Menschen berühren oder zur Veränderung bewegen, ist das ein funktionierender Weg. Was sich hier ändern wird, ist die Art der Inszenierung einer Geschichte. Wir werden viele Varianten erleben vom „klassischen“ Erzählen bis hin zum multimedial vernetzten Vortrag, der alle Sinne berührt.

»Wir entwickeln aktuell pro Jahr mehrere Innovationen im Präsentationsbereich. Eine der Neuheiten ist Augmented Impact Presentations.«

Ihr Unternehmen smavicon gilt als die führende innovative Präsentationsagentur und steht speziell für das Konzept „Augmented Impact Presentation“. Was können sich die Leser darunter vorstellen?

Wir entwickeln aktuell pro Jahr mehrere Innovationen im Präsentationsbereich. Eine der Neuheiten ist Augmented Impact Presentations. Verwandt ist diese Präsentationstechnik mit Augmented Reality – der erweiterteten Realität. Wir haben die Technik jetzt auf Präsentationen transferiert und schon sehr interessante Dinge gestaltet. Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sehen auf der Leinwand eine Landschaft mit grüner Wiese und ein paar Bäumen. Nun fordert man als Referent die Teilnehmer auf, ihr Smartphone oder Tablet zu nehmen und eine spezielle App zu starten. Im ersten Moment sieht das Ganze aus wie eine Foto-App. Zu sehen ist die Leinwand mit der Landschaft auf dem Display des Smartphones. Jetzt kommt der Clou. Zusätzlich werden Informationen, wie Zahlen, Texte, Bilder, Videos überlagert. So ist gut vorstellbar, wie ein Haus auf einer derzeit noch leeren Wiese aussieht. Bewegt man das Gerät nach links oder rechts, werden andere Informationen eingeblendet. Das geht so weit, dass der Zuschauer selbst auswählen kann, was er sehen will, etwa nur Zahlen, nur Bilder oder nur Videos.

Sie haben im Vorjahr das „Presentation-Bootcamp“ erfolgreich ins Leben gerufen. Wie sieht dieses neue, spannende Konzept genau aus, welchen Praxis-Nutzen bringt es den Teilnehmern? Und wann findet das nächste Boot Camp statt?

Das Presentation-Bootcamp besteht aus Vorträgen, Workshops und Coachings. An einem einzigen Tag kann ein Gold-Teilnehmer dabei seine Auftrittsperformance um 100% steigern. Er hält morgens einen Vortrag, bekommt eine Rückmeldung vom Publikum sowie von 7 Präsentationsexperten zu Themen wie Rhetorik, Stimme, Schauspiel, Körpersprache, Visualisierung, Outfit usw. Er erhält eine weitere Rückmeldung durch die SCIL-Diagnose, die Presentation-Booster Methode und durch iPAD-Tracking. Jeder Zuschauer bekommt dazu ein iPAD mit einer vorinstallierten App. So kommen etwa 100 Rückmeldungsimpulse zusammen. Im anschließenden persönlichen Coaching werten wir diese aus. So schaffen wir eine deutliche Verbesserung für den nächsten Vortrag.

Mittags tritt er wieder auf und bekommt neues Feedbacks. Am Abend folgt ein dritter Auftritt. Was im Präsentationstraining 3 bis 5 Tage erfordert, schaffen wir so an einem Tag. Morgens schläft das Publikum fast ein, und am Abend bekommt der Vortragende eine Standing Ovation. So faszinierend und rasant ist diese Entwicklung!

Für die Zuschauer, die sogenannten Silber-Teilnehmer, gibt es zusätzlich spannende Workshops und Vorträge, zu Stimme, Rhetorik, Trends, Moderation, usw. Als besondere Highlights haben wir eine Massagestation zum Auflockern der Muskeln und ein Gewinnspiel für eine Probefahrt mit Tesla Model S. Sie sehen, volle Action für alle Beteiligten! Das nächste Bootcamp findet am 26.11. im Raum Frankfurt am Main statt.

Verraten Sie uns Ihren größten Präsentations-Fauxpas? Was haben Sie daraus gelernt?

Ich wollte vor Jahren in einem Vortrag zeigen, wie innovativ präsentieren funktioniert und hatte sehr viel Technik dabei. Unter anderem einen Ring-Presenter von Genius zur Fernsteuerung meiner Folien. Der war nagelneu, und ich wollte ihn unbedingt ausprobieren. Er war jedoch noch nicht richtig konfiguriert und völlig falsch eingestellt. Die katastrophale Auswirkung: Bei der nur geringsten Berührung mit dem Presenter klickten die Folien weiter und weiter. Während des Vortrages galoppierten also innerhalb weniger Sekunden meine sämtlichen Folien durch, wie in einem Film. Das Ganze passierte dreimal hintereinander, und ich konnte einpacken. Mein persönlicher Lerngewinn daraus: Niemals neue, noch unbekannte Technik live ausprobieren. Sich so gut wie möglich vorbereiten und stets achtsam und wachsam bleiben.

Sie nennen sich „CPO – Chief Presentation Officer“. Was sind die Aufgaben eines CPO? Tritt dieser Jobtitel auch bereits in Unternehmen in Erscheinung, oder genießt er noch, ähnlich wie der Feel-Good-Manager, ein Schattendasein?

»Als CPO trage ich die Verantwortung für alle Vorträge und Präsentationen, die von uns unterstützt werden.«

Der CPO ist meine Eigenkreation und muss sich als solche erst noch etablieren. In meinem Unternehmen mit derzeit 13 Mitarbeitern, bin ich eigentlich der CEO – daher lag der Titel CPO nahe.

Als CPO trage ich die Verantwortung für alle Vorträge und Präsentationen, die von uns unterstützt werden. Zu meinen Aufgaben gehört die Unterstützung bei Workshops, bei der Analyse und Konzeption, bis hin zur Überwachung und Endabnahme. Meine Mitarbeiter konzipieren die Präsentationen, und ich sorge dafür, dass alle Elemente zusammenpassen und ein großes, stimmiges Ganzes ergeben. Zu meinen Aufgaben gehört es auch, mit Beratung, Training und Coaching den Prozess auf einem hohen Level abzurunden.

Zum Abschluss: Verraten Sie uns die drei wichtigsten Lebenserkenntnisse, die im Laufe Ihres bisherigen Lebens für Sie wegweisend waren?

1. Gerade in letzter Zeit ist für mich der Satz „Begriffe prägen unsere Welt“ wichtig geworden. Je nachdem, welches Wort ich wähle, drücke ich eine bestimmte innere Haltung aus. Ich ersetze zum Beispiel immer das Wort Problem durch Herausforderung – und schon hat sich die Grundhaltung dazu vollkommen geändert!

2. Jeder Nachteil lässt sich in einen zumindest gleichen großen Vorteil wandeln. Häufig sind mir in meinem Leben Dinge passiert, die auf den ersten Blick nachteilig erschienen, später aber dann doch positiv ausgingen.

3. Wissen und Erfahrung führen zu Weisheit. Nur wenn beides gegeben ist, kann ich wirklich weise werden!

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Garten!

Experte für innovatives Präsentieren

Matthias Garten

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